Funk auf Luftschiffen


Die Geschichte der LZ104/L59

Was ein Funkspruch bewirkte...

Die Geschichte der LZ104/L59zoomWeil der Stützpunkt Jamboli vom Heer nicht mehr benötigt wurde, hatte ihn jetzt die Marine speziell für das Afrika-Unternehmen übernommen. Kommandant Bockholt überführte L59 am 03./04. November1917 nach dort. Nach zwei abgebrochenen Versuchen, startete L59 am 21. November. Alles schien mehr oder weniger planmäßig zu verlaufen, als L59 am dritten Tag der Fahrt in Höhe westlich von Khartum von der Funkstation Nauen den Funkspruch erhielt: "Unternehmen abbrechen, zurückkehren. Feind hat besetzt den größten Teil Makonde Hochlands, steht bereits bei Kitangari, Portugiesen angreifen von Süden Rest Schutztruppe." Nach einer 95-stündigen Fahrt kehrte L59 am 25.11.1917 nach Jamboli zurück. 6.760 km hatte das Luftschiff zurückgelegt, eine Leistung, die bis dahin noch nie erreicht worden war. Die Frage, ob der Rückruf auf einem Funkspruch des Feindes beruhte, wird - trotz der zeitgenössischen Darstellung von der Geschichtsforschung verneint. Man hatte die Afrika-Fahrt nicht völlig geheim halten können. Vielen Kräften der Luftschiffwerften und der Haltemannschaften der verschiedenen Luftschiffhallen war der Zweck dieses speziellen Luftschiffes bekannt geworden. Außerdem verfügten die Engländer im Ersten Weltkrieg über ein ausgezeichnetes Spionagesystem. Sie hatten Vorbereitungen zum Empfang des Luftschiffes in Afrika getroffen. L59 hätte schon früher den mehrmals wiederholten Funkspruch des Senders Nauen empfangen können, aber beim Überfliegen des Mittelmeeres hatte man wegen mehrerer Gewitter die Empfangsantennen einziehen müssen.
L59 wurde zum Frontluftschiff umgebaut und explodierte bei einem Einsatz am 7. April 1918 mit dem Angriffsziel des britischen Flottenstützpunkts Malta.

In seinem Buch "Ein Kontinent rückt näher" (Verlag Hugendubel, 1942) schilderte Josef Viera die Vorgänge so:

"Ein einziger dünner Faden verband das Schiff, das über fünftausend Kilometer weit ins Ungewisse vorstoßen sollte, mit der Heimat, mit Deutschland. Und mit der Welt, soweit diese Welt nicht eine feindliche war. Und es gab keine Freunde unterwegs... Dieser dünne Faden war die Funkstation an Bord, die mit Nauen Verbindung hielt. ... Es war Morgen, der Himmel blitzblank reingemacht. Die Maschinen sangen ohne trüben Ton. Die herbstliche europäische Kühle wich tropischer Wüstenglut, Sonnenboen rüttelten das Schiff. Weit östlich glühte weiß ein Band auf. 'Der Nil', sagte jemand an Bord. ... Der Mann im Funkkasten peilte die Sendeskala ab. Es gab nicht viel Funkverkehr in diesem Raum. Man war ihm nicht auf den Fersen, dem Zepp. Keine feindlichen Flugzeuge schraubten sich dem Luftriesen entgegen. ... Erst kam wieder eine Nacht. Dann Khartum im Sudan. Dann, südlich von Khartum, tastete der erschöpfte Bordfunker immer wieder die Sendewellen ab. War der Apparat nicht in Ordnung? Man nahm doch Nauen gut auf. Eben war wieder Verbindung mit Nauen. Ein Befehl vom Norden des Reiches hingeleitet auf Funkwellen zu dem Pünktchen L59 oben im Sudan.Der Funker bat um Wiederholung des Befehls. Der Befehl wurde wiederholt, lautete, wie er eben gelautet. Keine Silbe anders. ... Mit einem Blatt in der Hand trat der Bordfunker aus seiner schalldichten Kabine. 'Herr Kapitän, eine Meldung von Nauen.' Bockholdt nahm den Zettel, und während er las, wurde sein übernächtigtes Gesicht noch um ein Schatten fahler. 'Funkspruch Nauen', las er. 'Letzter Stützpunkt Lettow-Vorbecks, Newala, verloren gegangen. Ganzes Makondehochland im Besitz der Engländer. Teile Lettow-Vorbecks gefangen. Rest nördlich hart bedrängt. Sofort umkehren.' An diesem 'sofort umkehren' haftete Bockholdts Blick. Niemand konnte es ihm verübeln, konnte ihn zur Rechenschaft ziehen, wenn er den kürzeren Weg nach vorwärts beibehielt: die letzte Entscheidung über das Schiff und seine mögliche Leistung hat schließlich und endlich der Kapitän in der Hand. Allein Bockholdt folgte dem Befehl seines Gewissens. Die Heimat gab Order, die Heimat musste wissen, warum! Er gehorchte dieser Order. Und L59 wendete und zog heimwärts unter mancherlei Fährnissen und erreichte nach insgesamt 96stündiger Fahrt und über 6.757 Kilometer zurückgelegter Wegstrecke den Heimathafen Jambol. Erreichte ihn an dem Tag, da die Truppe Lettow-Vorbecks bei Ngomano eine portugiesische Festung stürmte und all das eroberte und erbeutete und mehr dazu, was der Zepp hätte bringen können.Wichtige Informationen hatten die Heimat veranlasst, das Unternehmen in dem Augenblick abzublasen, als es schon so gut wie gelungen schien. Die 'verlässliche Information' aber, welche die Zurückberufung des Zeppelins veranlasst hatte, stellte sich kurz darauf als eine Falschmeldung des Feindes heraus."


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