16 - Amateurfunk der SBZ/DDR


In Bearbeitung

SPOT - Der Amateurfunk der SBZ/DDR in einer Grauzone



16A Erste Radioclubs werden gegründet

Nach Ende des 2. Weltkrieges war in den Besatzungszonen Deutschlands jeder Funkbetrieb durch das Kontrollratsgesetz Nr. 76 verboten. Bei eingefleischten Funkamateuren, als Soldaten oder Vertriebene aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt, war jedoch der Drang "in die Luft zu gehen" schnell wieder größer, als sich an das Verbot zu halten. Eine Keimzelle der deutschen Amateurfunkbewegung war der sog. inoffizielle Samstag-Abend-Club, der von ehemaligen DASD-Mitgliedern im April 1946 in Stuttgart gegründet wurde. Im Sommer 1946 gab es eine erste offizielle Genehmigung zur Gründung eines Radioclubs in der Amerikanischen Besatzungszone, der alle funktechnisch interessierten Kreise aufnehmen sollte. Der Württembergisch-Badische-Radioclub (WBRC) beinhaltete auch eine Sektion "Kurzwelle", in der sich die sendenden Amateure halboffiziell organisierten und unter die reinen Hörer mischten. Der WBRC war für die SBZ/DDR insoweit wichtig, da der Verein eine erste einheitliche Rufzeichenordnung installierte, die auch die SBZ und Berlin bedachte. In Anpassung an die Internationale Fernmelderegelung von Atlantic City von 1947 teilte man die deutschen Zonen nach Postleitzahlen in Distrikte auf, wobei Berlin den Präfix DA/DK 7 und die SBZ DA/DK 8 zugeteilt bekam. Alle im Geheimen ausfindig gemachten Amateure wurden aufgefordert, sich diesem System zum 31.12.1947 anzuschließen. Die QSL-Karten wurden dabei über eine Stuttgarter Postfachadresse vermittelt.01 Eine Verschmelzung der einzelnen Vereine über die Besatzungszonen hinaus war nicht möglich, jedoch bildete sich in der Britischen Besatzungszone ein Deutscher Amateur Radio Club DARC/BZ, dem dann ein DARC Württ.-Baden aus Teilen des stark von Kurzwellenhörern dominierten WBRC folgte.02



16B Die Situation in der SBZ

In der SBZ war die Situation ungleich schwieriger, da die neuen Machthaber dem Amateurfunk kritisch gegenüber standen und auch an ihre Militärangehörigen keine Genehmigungen herausgaben. Seit 1947 gab es hier lose Interessensverbände, wobei sich Ende 1947 ein erster Radioklub in Brandenburg gründete, der zuvor durch die SMAD in Karlshorst von Major Mulin genehmigt worden sein soll.03 Inwieweit dies ein unabhängiger Verband, wenn auch auf lokaler Ebene, war, muss leider offen bleiben, da bisher keine Dokumente dieser Zeit aufgetaucht sind. An Amateurfunk war jedoch nicht zu denken, vielmehr war Konspiration wichtig, wollte man trotz Verbots seiner Leidenschaft nachgehen. Das vermutlich früheste noch nachweisbare Dokument ist auf den 7. Mai 1948 datiert. Zwei Amateure bekundeten in einer Unterredung mit einem örtlichen Vertreter des Kulturbundes die Absicht, "einen Radioamateurklub für die sowjetische Zone und den sowjetischen Sektor von Berlin zu gründen", wie der vermutlich für die Region zuständige Funktionär des Kulturbundes, Reichwald, in einem Brief an den Bundessekretär Heinz Willmann schrieb.

"Da es im sowjetischen Sektor eine ganze Reihe von Radioamateuren gibt, diese aber völlig ohne Kontrolle und ohne Anleitung arbeiten, was eine gewisse Gefahr bedeutet, ergibt sich die Notwendigkeit, für diese einen gewissen organisatorischen Rahmen zu finden. Diese beiden Herren haben bisher vergeblich versucht, jemanden zu finden, der ihre Sache unterstützt. Ihr Wunsch war, im Rahmen des Kulturbundes als Radioamateurklub lizenziert zu werden."04

Die Antwort Willmanns vom 19. Mai 1948 war kurz und ablehnend, da die Aufnahme eines Radioklubs im Rahmen des Kulturbundes "vollkommen aus dem Aufgabenbereich" der Organisation falle.05
Bei den "beiden Herren" handelte es sich um Werner Schütze und Edgar Krause, die es natürlich nicht bei der reinen Suche nach einer offiziellen Betätigungsform beließen, sondern selber im Äther aufzufinden waren. Krause war einer der Schlüsselpersonen im Ostsektor der Stadt und unter den Rufzeichen DA7RA und DK7RA als "Peter near Berlin" am Funken, durchaus auch bekannt bei der damaligen Deutschen Wirtschaftskommission für die sowjetische Besatzungszone (DWK) - Hauptverwaltung Post- und Fernmeldewesen (HVPF), mit deren Abteilungsleiter für das Gebiet Funk, Friedrich Wilhelm Fußnegger, er angeblich eng befreundet war.06
Diese "Freundschaft" beschreibt die paradoxe Situation und unterstreicht die Grauzone, in der sich die Amateure befanden. So ist es nämlich Fußnegger, der in einer handschriftlichen Aktennotiz vom 24. August 1948 einen "Bericht betr. Schwarzsender" verfasste und darin auch DK7RA als Rufzeichen sowie Bestrafungen ausgehobener Schwarzsender erwähnte.

"[…] Auch in der Zone ist eine größere Anzahl Amateure aktiv. Über deren Tätigkeit ist nur indirekt etwas festzustellen, da Berlin für diese Stationen meist in der toten Zone liegt. Aus den Rufen ausländischer und westdeutscher Stationen und den Rufzeichen kann man etwa entnehmen, dass trotz der Verhaftungen noch etwa 30-50 Stationen arbeiten. Nach den Angaben der Leitung des DARC [gemeint ist vermutlich der DARC/BZ] sind bisher in der Ostzone mindestens 20 Personen verhaftet worden und haben hohe Freiheitsstrafen erhalten."07

1948 waren in der SBZ also rege Aktivitäten zu verzeichnen. Die Reaktion der SMAD gegenüber Anfragen zu Clubgründungen war recht ambivalent. Was kurz zuvor noch lokal erlaubt wurde, erfuhr jetzt Absagen bis zur Ablehnung und Verfolgung. Eine Gruppe von Funkamateuren aus Sachsen stellte den Antrag, einen DARC/Ostzone gründen zu wollen und bekam eine Absage. Im Mai 1948 wurde der Antrag nach einem DARC-Thüringen nicht nur abgelehnt, sondern es erfolgten auch Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Fußnegger nahm vermutlich hierauf Bezug. Mit den Rufzeichenpräfixen DA und DK, die schon vor 1949 parallel genutzt wurden, hielten sich die meisten ostdeutschen Illegalen an den gemeinsamen Rahmen aller deutschen Funkamateure.08 Auch verlegte sich die SMAD kurzfristig darauf, selber im Bereich der Funkamateure tätig zu werden und via eine Station in Ost-Berlin Propaganda zu senden.09



Download [107.85 KB]CQ Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft Bautzen, 01-03.1949 [PDF , 107.85 KB]

16C 1949: Amateurfunkgesetz - aber nicht für die SBZ

Die Bemühungen der ostdeutschen Amateure, einen Platz im sich neu aufbauenden Staatsgefüge der SBZ zu finden, wurden verstärkt fortgesetzt, als für die Westzonen am 19.01.1949 ein Amateurfunkgesetz durch den Wirtschaftsrat verabschiedet wurde. Schon kurz darauf erfolgte eine großzügige Lizenzierung der Funkamateure und beschleunigte den Zusammenschluss der regionalen Verbände zum Dachverband DARC.10
In der SBZ hingegen blieben Bemühungen auf regionaler Ebene stecken. Eine weitere Initiative versuchte einen Anlauf, sich innerhalb der zuvor beschriebenen DWK als zentrale Verwaltungsinstanz der SBZ zu organisieren. Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen z.B. fand dort Unterschlupf, wurde aber im Januar 1949 dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) zugeschlagen und auf örtliche Tätigkeit beschränkt. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft lehnten dies als Modell jedoch ab und versuchten direkt beim Präsidium der Deutschen Verwaltung des Inneren und der DWK-Berlin die Gründung eines "Amateur-Radio-Club Ostzone" zu erreichen, die dann auch dem "Zonenvorstand des FDGB Berlin" unterstellt sein könnte. Im zweiten Schritt wollte man sich dann auch schnellstens um Lizenzierung bemühen und stellte an die Empfänger des Rundbriefes der AG die rhetorische Frage, ob "in Europa die OZ das einzige Ländchen sein [sollte], in der es keine lis gibt?"
Seine Aktivitäten in der Arbeitsgemeinschaft um den Erwerb einer Sendegenehmigung brachten ihrem Organisator Berneis schließlich mehrere Jahre Zwangsarbeit in der Wismut AG ein.11 Zwischenzeitlich war es in anderen Regionen möglich, beim Kulturbund doch einen Unterschlupf zu finden, wenn auch nur auf lokaler Ebene. In Leipzig fand im Juni 1949 eine Arbeitsgemeinschaft Funk innerhalb der Körperschaft wenigstens zeitweise Unterschlupf. Einen Antrag auf Sendelizenzen über den Kulturbund zu erhalten verlief jedoch im Sande und schon im März 1950 wurden die Amateure wieder aus der Organisation herauskatapultiert.12 Dabei hatte sich ab Mitte 1949 auch Fußnegger von der DWK-HVPF bei der SMAD für die "Wiedergenehmigung des Amateurfunks" eingesetzt, nachdem bei ihm zahlreiche Amateure entsprechende Anträge eingereicht hatten und in West-Berlin ab Juli 1949 Lizenzen ausgegeben wurden. Schon ein Monat vor der Wiederzulassung in Westdeutschland hielt Fußnegger im Juni 1949 die Möglichkeit für gegeben, dass Ost-Berliner Amateure durch den West-Magistrat, der sich als "Magistrat Groß-Berlins" betrachtete, lizenziert werden könnten. Eine solche Information sei ihm vom westdeutschen DARC gegeben worden.13 Wiederum mit Bezug auf das inzwischen erlassene Amateurfunkgesetz in Westdeutschland "mit schon 730 ausgegebenen Genehmigungen" plädierte er im August 1949 direkt beim SMAD für eine Zulassung auch in der SBZ:

"Erfahrungsgemäß ist es zweckmässiger, den Amateurfunkdienst zu genehmigen und staatlich zu regeln, als den zahlreichen begeisterten Funkfreunden ein Betätigungsfeld zu verbieten, welches sie doch immer wieder zum Überschreiten des Verbotes verlockt."14

Dies war jedoch genauso ein erfolgloses Unterfangen, wie die zahlreichen privaten Initiativen. Nach Gründung der DDR im Oktober 1949 wollte Fußnegger die Kompetenzen für die inzwischen gegründete Hauptabteilung Fernmeldewesen beim Ministerium für Post- und Fernmeldewesen bezüglich eines zukünftigen Amateurfunks gewahrt wissen und kündigte gleichzeitig eine Wiedereinreichung seines früheren Antrages an.15
Dieser erfolgte im Dezember 1949 an das aus der Hauptverwaltung Information der DWK entstandene Amt für Information beim Ministerpräsidenten der DDR (AfI).
In der erneuten Antragsbegründung führte er an, die ehemals im Arbeiter-Rundfunk-Bund (ARB), im DASD und auch im DARC organisierten Amateure hätten sich erneut an ihn wegen Zulassung des Amateurfunks in der nun gegründeten DDR gewandt. Sein Hauptargument war allerdings anders gelagert:

"Ein ganz besonderer Grund gibt mir Veranlassung auf die Zweckmäßigkeit und die Zulassung eines Amateurfunkverbandes hinzuweisen: Die Überwachung des Äthers durch unsere postalischen Funküberwachungsstellen in der DDR kann niemals so gut durchgeführt werden, wie durch ein über das Territorium der Republik verteilt arbeitendes Amateurnetz. Die erteilten Lizenzen zwingen alle Lizenzträger unbedingte Funkdisziplin zu halten und alle Verstöße zur Meldung zu bringen, wenn sie nicht wegen Verstoß gegen die Funkverkehrsbestimmungen selbst ihre Genehmigungen verlieren wollen. … Weiter ist für den Fall einer Nichtzulassung von Amateurfunkverbänden vorauszusehen, daß Teile der funktechnischen begabten Bevölkerung in der DDR ungeachtet der gesetzlichen Folgen, sich unerlaubt aus Leidenschaft mit praktischen Senderversuchen befassen werden und damit unter den Begriff Schwarzsender fallen."16

In der Zwischenzeit sendeten viele Amateure auch ohne Genehmigung weiter. QSL-Karten wurden dabei über Westdeutschland ausgetauscht und via eine Adresse in West-Berlin. Veränderungen in Richtung Legalisierung waren trotzdem nicht zu erkennen.

1951 schließlich gelang es einigen Funkamateuren aus Jena zum ersten Mal, eine Versammlung im größeren Rahmen für die DDR zu organisieren, um auf die Interessen der dortigen Funkamateure nochmals hinzuweisen.







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SPOT - Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen - DARC Sachsen



16D Zur Situation in der SBZ

Am 14. Juli 1953 wurden in der DDR die ersten offiziellen Genehmigungen für Funkamateure ausgegeben. Dieser Neubeginn beendete gleichzeitig eine Periode in der SBZ/DDR, in der vielfältige Versuche von Vereinsgründungen gescheitert waren. Mit der ein Jahr zuvor gegründeten Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurde immer klarer, dass es in der DDR keinen eigenständigen Amateurfunkverein, vergleichbar mit dem bereits existierenden DARC der Bundesrepublik, geben wird. Die vorangegangenen Entwicklungen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ), bis zur Wiedereinführung des Amateurfunks in der DDR im Jahr 1953, wurden niemals öffentlich aufgearbeitet. Im Traditionsverständnis der GST war dieser Teil der Geschichte tabu.

[13] Mit dem Gesetz Nr. 76 verbietet der Alliierte Kontrollrat bereits im Januar 1945 jede Beschäftigung mit der Funktechnik. Im Mai 1945 wird der Deutsche Sende- und Empfangsdienst (DASD) aufgrund seiner Satzung vom 20.10.1934 als Verein verboten. Aber bereits kurz danach begann in allen Besatzungszonen wieder der „unlis Amateurfunk“. Die ehemaligen Kontakte der Vereinskameraden des DASD wurden nach und nach wieder aktiviert. Körner beschreibt in [1] diese Zeit sehr ausführlich. Stellvertretend sei hier nur der Samstag-Abend-Club (SAC) und der daraus entstehende Württembergisch Badische Radioclub (WBRC) genannt, der aber noch wesentlich durch Rundfunkhörer geprägt wurde.
Den OM’s in Mitteldeutschland blieb diese Entwicklung in den anderen Besatzungszonen nicht verborgen. Die Situation der Funkamateure in der SBZ unterschied sich aber wesentlich von der in den anderen Zonen. Die Schwierigkeiten und potentiellen Gefahren waren bekannt und wurden auch immer wieder von Zeitzeugen bestätigt. Dennoch gab es auch hier zahlreiche Versuche der Neuorganisation des Amateurfunks [2, 11, 12]. Offiziell gab es keine Regelungen für den Wiederaufbau von Vereinstrukturen, schon gar nicht für den Amateurfunk. So ist es zu erklären, dass in der einen Region die Kammer der Technik (KDT), in der anderen Region der Kulturbund oder sogar das Kulturamt einer Stadt dazu bereit waren, diese Entwicklungen zu unterstützen. Die Entscheidungen fielen oft rein zufällig, bedingt durch berufliche Stellungen und private Kontakte.



16E Die Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“

Die Radiotechnik übte in diesen Jahren eine ungeheure Faszination aus, die nur mit der heutigen Computertechnik verglichen werden kann. Nach den Kriegsjahren und dem schwierigen Neuanfang nach 1945 war der Rundfunkempfang und die drahtlose Übermittlung von Nachrichten ein ideales Betätigungsfeld für Technik-„Freaks“. [7] Die Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurde am 26.08.1947 im Auftrag des
Städtischen Kulturamtes Bautzen, mit Genehmigung der Sowjetischen Militäradministration (SMA), gegründet. Der Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft war Rudolf Berneis, Geschäftsführer/Kassierer war Max Eichler, Technischer Referent Otto Baier und Unterrichtsleiter Horst Göllnitz. Die Ziele der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurden in einer Art Satzung wie folgt formuliert:
...„Sie erstrebt den Zusammenschluss aller demokratischen Radioamateure und Rundfunkhörer und aller Freunde der Kurzwellentechnik im Landkreis Bautzen zur Förderung der gemeinsamen Interessen.“
In einem umfangreichen Vortragsprogramm wurden vielfältige Themen der Rundfunktechnik und Grundlagen der Funktechnik aufgenommen. So waren neben allgemeinen Themen, wie „Aus den Anfängen des Rundfunks“, „Die Technik der Röhren“, aber auch Vorträge, wie „Der Empfang von drahtlosen Zeichen“, „Ratschläge zum Bau von KW-Empfängern“ und ‚“Wie man Morsen lernt“, vertreten.
Für die wöchentlichen Treffen stand ein Vortrags- und Unterrichtsraum im Klubhaus der FDJ, Steinstraße 37, zur Verfügung. Jeweils mittwochs wurde eine Vortragsreihe zu unterschiedlichen Themen organisiert. Von 19.00 bis 20.30 Uhr fanden Vorträge für die I. Abteilung „Radiobastler“ und von 20.30 bis 22.00 Uhr für die II. Abteilung „Kurzwelle“ statt.
Am 1. März 1948 zählte diese Gruppe bereits 47 Mitglieder. Entsprechend der Satzung wurden offiziell nur Interessenten aus Bautzen und Umgebung aufgenommen. Schon vor Gründung der DDR, im Oktober 1949, wurden die Weichen völlig neu gestellt. Die bisher existierende Arbeitsgemeinschaft wurde auf Beschluss der Landesregierung Sachsen dem Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) angegliedert. Die Anfrage eines Bastlers aus Grimma bei Leipzig beim Kulturamt in Bautzen, über den Verbleib der Arbeitsgemeinschaft, konnte im Oktober 1949 nicht mehr beantwortet werden, ... “wir können nicht einmal sagen, ob die Bastlergruppe überhaupt noch besteht „. Danach verlieren sich alle Spuren. Der genaue Termin der Auflösung der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ ist nicht bekannt.



16F DARC - Sachsen

Die Methode des DASD der Gründerjahre war hier unverkennbar. Dabei galt es möglichst viele Interessenten zu sammeln, um der späteren Forderung nach Einführung bzw. Wiedereinführung des Amateurfunks mehr Nachdruck verleihen zu können. Auf dieser Basis entstand die enge Verbindung mit den Rundfunkhörern der Arbeitsgemeinschaft Radiobastler. Die Abgrenzungen zwischen Funkamateuren und reinen Radiobastlern, die nur Interesse an der Rundfunktechnik hatten, wurden bewusst sehr niedrig gehalten. Diese Methode hatte sich bewährt und wurde auch in den anderen Besatzungszonen angewendet. Hatte man anfangs beim WBRC damit Erfolg, so war diese Verknüpfung unterschiedlicher Interessen von Funkamateuren und Rundfunkhörern später ein wesentlicher Grund für die Auflösung des Vereins.
In Anlehnung an die Zeitschrift „CQ“ des DASD wurde eine eigene Zeitschrift als Schreibmaschinenmanuskript unter dem selben Namen „CQ“ herausgegeben. Im September 1947 erschien die erste Auflage in Höhe von 50 Stück und im März 1949 wahrscheinlich die letzte Ausgabe.
In der Satzung der Arbeitsgemeinschaft „Radiobastler Bautzen“ wurde die lokale Tätigkeit noch klar formuliert und auf den Landkreis Bautzen begrenzt. In der ersten Ausgabe der Zeitschrift CQ im Jahr 1947 heißt es dagegen:
...“Als endgültiges Ziel schwebt uns allen die Bildung eines Verbandes der Kurzwellenamateure in der Ostzone, ähnlich dem der Westzonen, vor. Unser Endziel muss jedoch die gesamte deutsche Organisation der Kurzwellenamateure , der Deutsche-Amateur-Radio-Club - DARC, werden.“
Die Einschränkung auf die lokale Tätigkeit eines Vereins war nicht ungewöhnlich, denn auch in den anderen Zonen hatten die Besatzungsmächte diese Festlegung anfangs erzwungen. Der tatsächliche Wirkungskreis beschränkte sich aber von Anfang an nicht nur auf den Raum Bautzen. So sind Kontakte nach Grimma, Zeitz, Stendal und Halle bekannt. Die vorliegende Mitgliederliste [7] der „offiziellen“ Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen enthält aber nur Rundfunkhörer aus Bautzen und Umgebung. Dieser Umstand lässt vermuten, dass der Verein tatsächlich noch eine zweite „konspirative“ Ebene hatte, in der parallel zum Radiobastelverein „echte“ Funkamateure organisiert werden sollten. Die alten bekannten Verbindungen aus dem DASD bildeten hier das Rückgrat dieser entstehenden Struktur.
Einen wesentlichen Impuls für die gesamte Entwicklung lieferte sicher die erste Tagung der Kurzwellenamateure vom 7. bis 8 Juni 1947 in Stuttgart, organisiert durch den WBRC. Hier wurde bereits über die Gründung einer Dachorganisation mit dem Namen Deutscher-Amateur-Radio-Club (DARC) diskutiert. Die einzelnen Landesverbände in den
Besatzungszonen waren erst im Entstehen, mussten aber gemäß der Auflagen der Militärregierungen getrennt bleiben [13].
Über die Teilnahme der OM’s aus Sachsen kann nur spekuliert werden. Tatsache ist aber, dass zumindest OM Pailler seine Wiederanmeldung beim WBRC in [10] erwähnt. Nach eigenen Angaben wurde OM Berneis durch den DARC/Berlin als „Verbindungsamateur der Ostzone zum allgemeinen DARC und als Distriktmanager für Sachsen“ [4] berufen. Entgegen dieser selbst formulierten Aussage ist eher anzunehmen, dass diese Absprachen nicht auf offizieller Ebene, sondern mit OM Bruno Garnatz, geführt worden sind. Nach Hinweisen von [15] liefen eine Reihe von Kontakten zur „Ostzone“ über OM Garnatz. Protokolle bzw. Nachweise irgend welcher Art existieren hierzu nicht. Für die „überregionalen Kontakte“ des entstehenden Vereins diente die Zeitschrift „Funk-Technik“ [4]. Es soll sich dabei um Kontaktanzeigen bzw. Beilagen der Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen gehandelt haben, Ansprechpartner war Rudolf Berneis [9].
Über diesen Weg wurde im Jahr 1948 auch OM Gerhard Meinekat, später DM2AMH, darauf aufmerksam. Der erste Brief im Mai 1948 wurde rasch beantwortet, enthielt aber nicht die erhoffte Mitgliedschaft , sondern den Verweis auf die Zuständigkeit des Distrikmanagers des DARC in Sachsen-Anhalt, Ing. Carl F.A. Pailler [8].
Auf eine Antwort von OM Carl Pailler wartete er aber vergebens, er war zu dieser Zeit schon nicht mehr unter seiner Anschrift in Stendal zu erreichen. Bei einer erneuten Anfrage in Bautzen erfuhr OM Meinekat nur, .. „ Was mit Carl Pailler ist wissen die Götter“.., und verwies auf den neuen Distrikmanager. In diese Funktion wurde Ende1948 OM Hans Münster aus Weickelsdorf bei Zeitz berufen. Über OM Münster erhielt er die Anschrift von OM Friedrich Exsternbrink in Halle. Es kam zu persönlichen Kontakten, aber die gesamte Entwicklung zog sich über fast 3 Jahre hin und verlief sehr zäh. In der Zwischenzeit kam es zur Gründung der GST. Die Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen bestand zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Als Angestellter der Stadt Bautzen nutzte OM Berneis wahrscheinlich mehrere Dienstreisen im Auftrag der Landesregierung Sachsen nach Berlin-Karlshorst zur SMA und zur DWK auch dazu, das Genehmigungsverfahren für eine Organisation der Funkamateure voranzutreiben. So sind Dienstreisen nach Berlin-Karlshorst vom Februar und August 1948 und vom Februar 1949 bekannt. In [1] wird zu dieser Thematik über die Verhandlungen mit Major Mulin der SMA gesprochen, ein Bezug zu OM Berneis ist aber nicht zu erkennen.
In der wahrscheinlich letzten Ausgabe der CQ im März 1949 [5] ist neben der Hoffnung auch schon die Resignation zu spüren. Hier ist auch nicht mehr die Rede vom DARC als Organisation. Die Einschränkung auf die lokale Tätigkeit, die bei den Verhandlungen mit dem FDGB weiterhin auferlegt wurde, wollte OM Berneis nicht akzeptieren. Am 22.03.1949 stellte er an die DWK in der SBZ einen Antrag auf Zulassung eines Vereins unter dem Namen „Amateur-Radio-Club-Ostzone“, da für ihn nur die Zusammenarbeit in der gesamten (Ost-) Zone einen Sinn machte. In einem Schreiben vom 1949 spricht OM Hans Münster bereits darüber, dass die Gründung einer Vereinigung von Funkamateuren (KW-Club Ostzone) kurz bevor steht. Dieser zweite Schritt, die Widereinführung des Amateurfunks, blieb in der SBZ aber unvollendet.




16G Rudolf Berneis

OM Rudolf Berneis ist Jahrgang 1900. Er gehörte nach 1945 zu den ersten Funkamateuren in der SBZ, die einen Neuanfang suchten. Bereits vor 1949 war er neben Martin Schurig (später DM2AHM) einer von 8 Mitgliedern des W.F.S.R.A. (World Friendship Society of Radio Amateurs), der „German Section – Russische Zone“ [3].
Rufzeichen: DE 1069, D4VDS(?)
Mit der Überführung Arbeitsgemeinschaft Radiobastler Bautzen in den FDGB verlieren sich seine Spuren. Die letzte Information liefert ein Brief von OM Pailler [10], der aussagt, dass OM Berneis noch im Jahr 1954 Zwangsarbeit im Uranbergbau in Aue verrichtete.



16H Carl F.A. Pailler

OM Carl Pailler, Jahrgang 1904, gehörte zu den Pionieren des Amateurfunks in Deutschland. Bereits in den zwanziger Jahren arbeitete er unlis unter dem Rufzeichen EK4AP. Er war der erste QSO-Partner von OM Rudi Hammer in der Nacht zum 16. November 1927 (EK4AP – EK4CP ) [6, 14].
Rufzeichen: DE 0161, EK4AP, XEK4AP, D4AP, DC7CF
In Absprache mit OM Berneis übernahm er 1947/48 die Distriktverantwortung für Sachsen-Anhalt. Bereits wenige Monate später riss der Kontakt zu ihm ab. Anfang der 50iger Jahre taucht er wieder in (West-) Berlin auf. Er wird Mitglied des DARC. Für kurze Zeit ist er OVV im Ortsverband Schöneberg – D05 und wechselt dann zum OV Reinickendorf – D04.
In einem Brief von 1954 [10] schreibt er fast wörtlich dazu, dass ihm die Tatsache der Korrespondenz und der Wiederanmeldung beim WARC Stuttgart (gemeint ist sicher der WBRC) den gesamten Besitz, die Gesundheit und 31 Jahre Zwangsarbeit gekostet haben, wovon bereits fast 4 Jahre bis zu seiner Flucht verstrichen waren.
In [6] spricht er nur ganz kurz über diese Zeit, drückt seine Enttäuschung aus und will keine Worte mehr darüber verlieren.




16I Hans Münster

Nach dem Untertauchen von OM Pailler im Jahr 1948 übernimmt OM Hans Münster die Distriktverantwortung für Sachsen-Anhalt.
Rufzeichen: DE 0659 U, EK4TM, D4TM, D4KXU, DJ2FZ
Erst nach dem Krieg verlegte er seinen Wohnsitz von Leipzig (Sachsen) nach Weickelsdorf bei Zeitz (Sachsen-Anhalt), 1949/50 führte ihn sein Weg in Richtung Hamburg. Er wird Mitglied des DARC, Ortsverband Münster – DOK N13.
Als Mitautor von [1] lieferte OM Hans Münster wesentliches Material für die Recherchen zum Buch „Geschichte des Amateurfunks“. Die Veröffentlichung des Buches im Jahr 1963 ist sicher Indiz dafür, dass wichtige Details über den Amateurfunk in der DDR, mit Rücksicht auf die beteiligten Personen, nicht genannt wurden.



16J Friedrich Exsternbrink

OM Friedrich Exsternbrink war Kontaktperson für Interessenten im Raum Halle/Merseburg. Die Verbindung zu OM Gerhard Meinekat wurde langsam und vorsichtig aufgebaut. Das Ziel war aber in einem Schreiben durch OM Münster klar vorgegeben, er sollte Adressen von alten und neuen Interessenten des Amateurfunks sammeln.
Rufzeichen: DE 1595 L, D4XXD, D4HXD, D4TFL, D4TFU
Nach der Gründung der GST im Jahr 1952 arbeitete er noch beim Aufbau des Zentralvorstandes der GST mit. In der Folge der Ereignisse des 17. Juni 1953, zog sich OM Exsternbrink vollständig zurückgezogen. Er betrieb noch einige Jahre ein Rundfunkgeschäft in Halle, hatte aber keine Beziehung mehr zum Amateurfunk.




16K Gerhard Meinekat

OM Gerhard ist Jahrgang 1931. Mit 17 Jahren entdeckte er sein Interesse an der Funktechnik. Nach der missglückten Anmeldung beim Verein Radiobastler Bautzen war er bereits ab 1953 als SWL DM-0087/H dabei. Ein Jahr später erhielt er seine Lizenz mit dem Rufzeichen DM2AMH und das der Klubstation DM3KDH. Die Erteilung seiner Lizenz war gleichzeitig mit der Auflage verbunden, eine Klubstation aufzubauen.




Fußnoten

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Quellen- und Bildnachweis

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