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oe1_dc_2018

ORF Ö1 – #doublecheck

11.10.

oe1_dc_2018zoomWie wird über die Medien Politik gemacht, wer profitiert? Worüber spricht das Netz, und was davon sollte uns interessieren?
Archivnummern: AP/m_mm1/oe1_dc_2018_(Sendedatum)
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Datum Inhalt Dauer
05.01 Sind die Journalisten zu nah dran? Sind wir zu nah dran an denen, über die wir berichten? Merken wir, wenn wir von unseren Interviewpartnern instrumentalisiert werden? Unser Medienmagazin #doublecheck beschäftigt sich mit dem Thema Nähe und Distanz im Journalismus. Man spricht von der sogenannten "Verhaberung", wenn Journalisten und ihre Interviewpartner allzu gut befreundet sind und eine Hand die andere wäscht. Alle wissen, das gibt es. Zum Beispiel in der Politik, im Sport, in der Kultur. Wenige reden darüber. Wir schon. 1) Sagen wir doch "Du". Die ORF-Sommergespräche, daran hat Tarek Leitner wohl nicht die besten Erinnerungen. Seine familiäre Verbindung zu SPÖ-Chef Christian Kern wurde zum Thema, man warf ihm Befangenheit vor. Anlass für die Debatte, ab wann man eigentlich befangen ist? Dürfen Journalisten mit ihren Interviewpartnern per Du sein? Manche haben kein Problem damit. Und von Politikern wird das Du und die vermeintliche Nähe ja durchaus mit Kalkül eingesetzt. 2) Politik, Sport und Kultur: Man kennt sich. Ab wann man sich zu gut kennt, um ein unvoreingenommenes Interview zu machen, definieren Journalisten und Journalisten durchaus unterschiedlich. Neben der Politik sind zum Beispiel auch in der Sport- und der Kulturberichterstattung Naheverhältnisse ein Thema. Wenn man monatelang mit Skifahrern auf Reisen ist und mit dem Skiverband auch durch Verträge eng verknüpft, kann man dann noch unbefangen zum Beispiel über Missbrauchsfälle im Skisport berichten? 3) Spin-Doktoren und Instrumentalisierung. Alteingesessene Journalisten und Journalistinnen behaupten sogar, in Österreich gäbe es keinen investigativen Journalismus. Wenn ein großer Skandal auffliegt, dann habe wahrscheinlich die gegnerische politische Partei Journalisten oder Journalistinnen die Information gesteckt, so die These. Viele Gründe also, um den Drahtseilakt zwischen Nähe und Distanz im Journalismus ins Bewusstsein zu rücken und zum Thema zu machen. 24:55
23.01 doublecheck-Update: Wie verhabert sind eigentlich Journalisten untereinander? Was das NDR-Medienmagazin "Zapp" gegen zuviel Nähe unternimmt. Anja Reschke über redaktionelle Unabhängigkeit und selbstgezogene Grenzen 13:43
02.02 Strategen, Kontrolleure und Ausputzer Nach sieben Wochen Schwarz-Blau ist die Kommunikationsstrategie der Bundesregierung unverkennbar. Fragen von Journalisten sind gut, aber Message Control ist besser. Welche Botschaften hinausgehen sollen und welche nicht, entscheidet das Kanzlerbüro. Es gelingt freilich nicht immer. Die Koalition hat auch große medienpolitische Pläne, über die #doublecheck mit ÖVP-Medienminister Gernot Blümel und FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein gesprochen hat. Wobei vom FPÖ-Mann ein überraschend klares Bekenntnis zum öffentlich-rechtlichen ORF gekommen ist. 1) Balsam für ORF - Druck auf Journalisten Jenewein ist als FPÖ-Mediensprecher das direkte Gegenüber der ÖVP in Sachen Medienpolitik. Und Jenewein deutet eine Kursänderung in Sachen ORF-Gebühren an, wenn er sagt, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seinen qualitätsvollen Inhalten erhalten werden soll. Wenn man sich dazu bekenne, müsse man konsequenterweise auch die Finanzierung absichern, sagt Jenewein. Sparen bei der GIS-Gebühr will er dennoch, Spielraum sieht er bei dem Anteil an den Gebühreneinnahmen, der nicht an den ORF geht. Durchaus kritisch sind die Töne, die die Regierungspartei FPÖ gegenüber Journalisten - innerhalb und außerhalb des ORF - anschlägt. 2) Blümel will ein rotweißrotes Google bauen Medienminister Gernot Blümel von der ÖVP beschäftigt sich lieber mit einer großen medienpolitischen Vision. Er will die im Regierungsprogramm vereinbarte gemeinsame Vermarktungsplattform von ORF und Privaten für Online-Werbung im Idealfall zu einer Art Austro-Google ausbauen. Es soll also nicht nur um gemeinsame Werbevermarktung gehen, sondern auch um den Austausch von Inhalten. Damit will der Minister auf dem von Internetgiganten wie Google und Facebook, aber auch von großen ausländischen Medienkonzernen beherrschten Markt die österreichische Identität bewahren. #doublecheck hat mit österreichischen Playern gesprochen und nachgefragt, was eigentlich die Wettbewerbsbehörde von diesen Plänen hält. 3) Kommunikation überwiegt noch den Inhalt Die strenge Kommunikationskontrolle seitens der Regierung sieht Gernot Blümel, der ja auch ÖVP-Regierungskoordinator ist, naturgemäß positiv. Er spricht von "Professionalität". Das bescheinigen der Koalition in dem Punkt auch Kommunikationsexperten, die für frühere Regierungen gearbeitet haben. Österreich folge hier einem internationalen Trend. Der allerdings Journalisten weniger freut, weil der Zugang zu den Regierungspolitikern letztlich eingeschränkt wird. Die neu geschaffene Funktion des Regierungssprechers bringt da keine wesentliche Verbesserung. 24:55
13.02 doublecheck-Update: Eine Regierungspartei im medialen Paralleluniversum. "Unzensuriert" und "Wochenblick" sind nicht zu fassen. Die Welt des Andreas Unterberger 17:32
02.03 Die Angst der Medien vor ihren Fehlern In der journalistischen Arbeit passieren Fehler, das ist nicht neu. Heute sorgen aber die Sozialen Medien dafür, dass diese Fehler niemandem verborgen bleiben. Es besteht Handlungsbedarf.Durch knappe personelle Ressourcen und Arbeitsverdichtung aufgrund neuer Produkte und vieler neuer Medien, die bespielt werden müssen, steigt der redaktionelle Druck. Und damit auch die Fehleranfälligkeit. Dem ORF, der als öffentlich-rechtlicher Sender unter besonderer Beobachtung des Publikums, aber auch der Politik steht, werden Fehler gern als Manipulation mit weltanschaulich motiviertem Hintergrund ausgelegt. Das Aussitzen und Verschweigen von Fehlleistungen macht es nicht besser, sondern verschärft die Situation oft. Das hat die letztlich manipulativ geschnittene Reportage des ORF Tirol über den Landtagswahlkampf der FPÖ gezeigt. Der ORF will jetzt eine neue Fehlerkultur entwickeln und damit auch Vorreiter in der Branche werden. Wenig kritikfähige Redaktionen Denn von einem transparenten Umgang mit Fehlern, wie er im angloamerikanischen Raum zu sehen ist, ist Österreichs Medienbranche weit entfernt. Es gibt punktuelle Ausnahmen, aber in der Regel schwindelt man sich durch, wenn einmal etwas danebengegangen ist. Es fängt schon damit an, dass Blattkritik und Sendungskritik zwar gemacht werden, aber meist nur halbherzig und unter schlechten Rahmenbedingungen, wie eine Untersuchung ergeben hat. Wer nicht kritikfähig ist, tut sich natürlich auch schwer damit, Fehler zuzugeben und um Entschuldigung zu bitten. Dabei ist das eine wichtige Voraussetzung, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Hitziges medienpolitisches Gefecht Die aktuelle Diskussion über die ORF-Berichterstattung findet unter den verschärften Bedingungen mehrerer Landtagswahlkämpfe und gewisser Turbulenzen in der ÖVP-FPÖ-Bundesregierung statt. Wobei vor allem die FPÖ gerade in der Medienpolitik noch nach ihrer staatspolitischen Rolle sucht. Parteiobmann Vizekanzler Heinz-Christian Strache hat sich jedenfalls zuletzt über den ORF geäußert, als ob er immer noch in Opposition wäre. Ein weithin umstrittenes Posting von Strache hat dazu geführt, dass der prominente ORF-Moderator Armin Wolf als Person und der ORF als Medienunternehmen sich mit Klagen gegen den Vizekanzler zur Wehr setzen. Eine ungewöhnliche Situation, die über die Grenzen hinaus Beachtung findet. No-Billag-Initiative als Gradmesser In der Schweiz findet am 4. März die Abstimmung über die No-Billag-Initiative statt, dabei wird sich entscheiden, ob die gebührenfinanzierte SRG weiterbestehen wird oder nicht. Zuletzt hat sich die Stimmung gegen die Initiative gedreht, der öffentlich-rechtliche Sender der Schweiz hat breite Unterstützung von praktisch allen anderen Medien des Landes bekommen. Die Erkenntnis, dass noch dazu in so einem kleinen Land keine Qualitätsprogramme ohne Gebührenfinanzierung gemacht werden können, steht im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Der Ausgang des Referendums wird auch die Debatten über die Öffentlich-Rechtlichen in Österreich und Deutschland prägen. 24:57
23.03 doublecheck-Update: Rundfunkgebühren oder Steuergeld für Öffentlich-Rechtliche? Das Beispiel Dänemark zeigt aktuell, dass das nicht egal ist. No-Billag-Initiative in der Schweiz ist Geschichte, hat aber Spuren hinterlassen fehlt
06.04 Welche Zukunft hat das Radio? Wie und was wir hören, verändert sich, vor allem da unsere Handys zu Radiogeräten werden. Immer mehr Menschen, vor allem junge, hören Musik im Internet. Auch Podcasts werden immer beliebter. Wie können sich Radiosender in diesem Konkurrenzkampf um die Aufmerksamkeit unserer Ohren behaupten? #doublecheck fragt auch: Was unterscheidet öffentlich-rechtliche Radiosender wie Ö3 von der privaten Konkurrenz? Und wie entwickelt sich die kleine österreichische Podcast-Szene? Das Radio ist tot - es lebe Audio "Das Radio ist tot, aber wir leben im goldenen Zeitalter von Audio", sagt ein britischer Zukunftsforscher. Es wird mehr gehört denn je, aber eben nicht nur vor dem Radiogerät, sondern vor allem im Internet. Googles Videoplattform YouTube ist längst zu einem der beliebtesten Wege geworden, Musik zu hören. Der Jugendsender der BBC, Radio 1, hat auf YouTube viereinhalb Millionen Abonnenten. Auch Sprachassistenten wie "Alexa" von Amazon werden zu Radiogeräten, Kunden rufen Radionachrichten individuell ab. Das ist in Österreich noch wenig verbreitet, hier zeigt sich aber ein starkes Wachstum. BBC und Sveriges Radio zeigen neue Wege Noch nie hatte die BBC so wenig junge Hörer wie heute, auch beim schwedischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk schalten immer weniger Junge ein. Beide Radioanstalten reagieren mit einem neuen Angebot: Eigens fürs Internet werden Programme geplant, vor allem Podcasts, die BBC erreicht so ein Millionenpublikum, das nie die BBC-Radiosender hört. Beide setzen auf personalisiertes Hören via App am Smartphone. Das klassische Radiohören sei deshalb noch lange nicht tot, sagt die Chefin des schwedischen Radios, aber die Sender würden sich eher auf Liveberichterstattung konzentrieren, aufwändigere längere Programme biete man als Podcast an. In Österreich geht alles langsamer YouTube-Kanal, sendungsunabhängige Podcasts oder Musikauswahl per Algorithmus sind den ORF-Sendern per Gesetz verboten, Ö3 und Ö1 sehen die Entwicklungen dennoch konträr. Privatradios experimentieren. In diesem Spannungsfeld erklärt #doublecheck, wie sich Ö3 von den Privatradios unterscheidet und was an dem Sender öffentlich-rechtlich ist - zumal immer wieder die Forderung zu hören ist, Ö3 solle privatisiert werden. Podcasts "Made in Austria" In den USA hat vor zehn Jahren ein Podcast-Boom begonnen, in Europa kommt der Trend langsamer. Besonders sichtbar ist das Interesse an Podcasts aber in der jungen Zielgruppe. Während in Deutschland vor allem große Medienhäuser Podcasts machen, gibt es in Österreich eine kleine unabhängige Gruppe von Podcast-Machern. #doublecheck hat sie gefragt, was der Reiz dahinter ist, was Podcasts von Radio unterscheidet, und ob man damit Geld verdienen kann. 24:55
04.05 Wie nah ist uns das Fernsehen? Mit der Fernbedienung auf dem Sofa versinken und den Lieblingssender schauen - für viele gehört das immer noch zur Tagesroutine, aber das jüngere Publikum hat damit immer weniger am Hut. Heute ist der Kampf um die Aufmerksamkeit härter denn je. Was macht gutes Fernsehprogramm aus? Wie besteht man im Wettkampf mit Netflix und youTube? Und warum boomen Talkshows? Eine Kochshow kommt, eine Kochshow floppt. "Meine Mama kocht besser als deine" hat nach drei Folgen keinen Platz mehr im Hauptabend. ORF1 versucht, sich neu zu erfinden, und da wird vieles ausprobiert. Momentan ist der Sender eine Baustelle, wo bald Neues entstehen soll. Eine Infoshow ist geplant, Details sollen bald vorgestellt werden. Für ein jüngeres Publikum positioniert hat sich ORF1 schon länger. Information darf auch unterhalten Da gibt es auch schon einige Erfahrungen, wie hart der Kampf um neue Formate sein kann. Und wie man es schaffen kann, Information unterhaltsam zu machen, ohne niveaulos zu werden. Das ist übrigens auch für den Privatsender Puls4 eine Frage des Selbstverständnisses. Der Sender setzt ja stark darauf, mit Public-Value-Sendungen zu punkten, nicht zuletzt um künftig noch mehr Förderung aus den Rundfunkgebühren zu bekommen. Immer mehr Medien wollen talken Public Value, das sind auch Polit-Talks, an denen sich immer mehr Medien - neuerdings auch die "Kronen Zeitung" online - versuchen. Je reißerischer der Titel und das Thema, desto besser die Quote, scheint hier oft das Motto zu sein. Wir fragen nach, wie unterschiedlich ORF, Puls4 oder Servus TV an die Sache herangehen, und warum Politiker sich lieber zum einen als zum anderen setzen. Glotzen Sie noch oder streamen Sie schon? Sitzt das junge Publikum noch vor dem Fernseher? Die Antwort ist "Ja, aber" - denn natürlich konsumieren unter 30-Jährige Bewegtbilder immer mehr Online. TV-Programm-Macher kämpfen mit youTube und Streaming-Diensten wie Netflix um die Aufmerksamkeit. Fernsehen, so sagen sie, sei den Menschen näher als Online. Und Online brauche wiederum andere Geschichten. #doublecheck begibt sich auf die Suche nach Erfolgsrezepten für die Zukunft. 25:11
25.05 doublecheck-Update: Wrabetz bestellt Channel-Manager und Chefredakteure für TV. Vor Medienenquete der Bundesregierung. Service: Mitschnitt der Hochnerpreis-Rede 19:48
31.05 (01.06) Nebel über der Medien-Enquete Ein halbes Jahr nach dem Amtsantritt lädt Medienminister Gernot Blümel am 7. und 8. Juni zur Medien-Enquete in Wien. Die Erwartungen sind hochgeschraubt worden, Blümel ist seit einiger Zeit bemüht, sie zu dämpfen. Der Anstoß für eine sachpolitische Debatte werde das sein, nicht mehr, sagt der Vertraute von ÖVP-Parteiobmann Bundeskanzler Sebastian Kurz. Politische Gegner und Beobachter aus der Medienbranche nehmen dem Minister das nicht ab, sie vermuten längst gemachte Absprachen in der Koalition und eine Vernebelungstaktik. #doublecheck schaut hinter die Kulissen. Wrabetz positioniert den ORF Rechtzeitig zur Medien-Enquete positioniert Generaldirektor Alexander Wrabetz jetzt den ORF für das, was kommen soll: ein Schulterschluss mit den Privaten, damit das Angebot österreichischer Inhalte auch in zehn Jahren noch vorhanden und auch finanzierbar ist. Der gemeinsame Kampf gegen die Internet-Giganten wie Amazon und Facebook ist angesagt. Wrabetz setzt für den ORF auf eine offensive Online-Strategie, von der auch die Zeitungen und die Privatsender profitieren sollen. Mit #doublecheck hat der ORF-Chef auch über politischen Druck und "Empfehlungen" bei der jüngsten Besetzung von Spitzenpositionen im Fernsehen gesprochen. Datenschutz als Werbe-Killer? Facebook, Google & Co. ziehen das Geld aus den Werbetöpfen ab, und der strenge Datenschutz stellt das wirtschaftliche Überleben vieler Medien jetzt zusätzlich auf eine harte Probe. Denn die europäische Datenschutz-Grundverordnung, die erst vor wenigen Tagen in Kraft getreten ist, macht die Finanzierung der Medienunternehmen schwieriger, weil User mehr Kontrolle über ihre Daten haben. Werber haben also weniger Informationen, die es ihnen möglich machen, mittels Algorithmen gezielt Werbung an Kunden auszuspielen. Durch die geplante E-Privacy-Verordnung der EU könnte sich dieses Problem weiter verschärfen - und die Regierung soll das verhindern, fordert die digitale Werbewirtschaft vor der Medien-Enquete. 25:10
01.06 Umfassende Online-Stratregie, Neuaufstellung von ORF eins, Dialog mit dem Publikum - ORF-Chef Alexander Wrabetz im ausführlichen doublecheck Interview 20:29
12.06 doublecheck-Update: Wo sich die Nebel nach der Medien-Enquete lichten. Markus Breitenecker, der Mann im Ohr des Ministers. Starke Signale des ORF an die Branche 15:09
19.06 doublecheck-Update: Was ist Next Facebook, was hat Blockchain damit zu tun - und was ist mit der Digitalsteuer? Sarah Kriesche dazu im doublecheck-Interview. Die Angst der Rechtspopulisten vor einem Aufstand gegen die US-Internetkonzerne fehlt
06.07 Papier will nicht länger geduldig sein Die Medienenquete der Regierung im Juni ist ganz im Zeichen des Rundfunks gestanden. Im Schatten dieser Debatte waren die Zeitungen. #doublecheck schaut deshalb diesmal genauer auf die Printbranche: Die Verleger haben einen neuen Verbandspräsidenten und der will mehr Förderungen, immerhin steht die Branche durch die Digitalisierung vor großen Herausforderungen und sucht nach neuen Einnahmequellen. Maßgeblich beeinflussen wird das die Regierung. Was es bedeutet, von der Politik abhängig zu sein, zeigt die Wiener Zeitung, wir fragen in dieser Sendung auch nach, wie sie überleben kann. VÖZ gegen orf.at Der neue Präsident des Verbands Österreichischer Zeitungen, Markus Mair von der Styria-Gruppe, präsentiert im #doublecheck Interview seinen neuen Kurs: Die Debatte über eine Erhöhung der Presseförderung nimmt er wieder auf, er will sie verdreifacht wissen. Außerdem beginnt Mair einen Diskurs über den Inhalt von Regierungsinseraten. Und: der öffentlich-rechtliche Auftrag des ORF müsse neu formuliert werden, meint der VÖZ-Präsident. Ein besonderer Dorn im Auge ist ihm der Onlineauftritt des ORF: "Die blaue Seite" orf.at sollte aus seiner Sicht nur programmbegleitende Informationen bieten und kein eigenes Textangebot machen, denn das sei zum Nachteil der Zeitungen. In Zukunft solle aber gelten: Kooperation statt politische Tauschgeschäfte mit dem ORF. Der ORF: Hassliebe der Zeitungen Der ORF, das ist so eine Art Hassliebe der Zeitungen. Einerseits arbeitet man gut zusammen - es gibt die Austria Videoplattform, über die der ORF den Zeitungen für ihre Online-Portale Bewegtbild zur Verfügung stellt, der ORF inseriert auch fleißig, promotet Print-Veranstaltungen wie die Dreier-Konfrontation vor der Nationalratswahl 2017 und lädt regelmäßig Print-Leute zum Diskutieren ein. Der ORF soll nun der Motor der Veränderungen sein, Medienminister Gernot Blümel will einen Kooperationsauftrag ins Gesetz schreiben. ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz schwebt ein ORF-Player vor, eine Art Super-TVthek, an dem alle anderen österreichischen Medienhäuser andocken können. Wiener Zeitung an der Leine Gegründet 1703, eingestellt nach mehr als dreihundert Jahren von der schwarz-blauen Koalition. So bitter könnte es für die Wiener Zeitung enden. Das Traditionsblatt, das zu hundert Prozent dem Staat gehört, sucht ein neues Geschäftsmodell, denn Unternehmen sollen für Pflichtveröffentlichungen künftig nichts oder weniger zahlen. Die Regierung entscheidet, was passiert. Inzwischen präsentieren sich der interimistische Chefredakteur und das Innenpolitik-Ressort schon mal regierungsfreundlich mit "constructive journalism". Die Wiener Zeitung ist also das beste Beispiel dafür, was mit einem Medium geschieht, das dem direkten Zugriff des Staates ausgesetzt ist. Das Geschäft mit den Beilagen Auf der Suche nach Einnahmen erweisen sich für viele Zeitungen seit langem Beilagen als lukrative Finanzierungsquelle. Besonders beim "Kurier" machen sie einen beträchtlichen Teil des Anzeigenvolumens aus. Aber nicht jede Beilage bringt der Zeitung was. Werbekunden wollen starke Marken, die nicht nur im Print, sondern auch online einen Mehrwert bieten. 25:11
03.08 Glauben, liken, teilen Wie gut kennen sich Österreichs Schüler und Schülerinnen im Internet aus? Wie gut können sie beurteilen, ob das, was sie im Netz lesen, sehen und hören, auch stimmt? In Sachen Medienkompetenz gibt es Aufholbedarf, ab Herbst wird digitale Grundbildung für die 10- bis 14-Jährigen und ihre Lehrer Teil des Lehrplans sein. Zwei bis vier Wochenstunden digitale Grundbildung innerhalb von vier Jahren sind dann verbindlich. Allerdings müssen die Schulen selbst entscheiden, wie sie das umsetzen, und vielen Lehrern fehlt das Know-how. Quellenkritik im Kampf gegen Fakes Viele Schüler haben große Probleme, falsche oder manipulierte Nachrichten im Netz zu erkennen, sagen Medientrainer. Jugendliche beziehen ihre Nachrichten oft über selbsternannte Experten von Youtube oder aus sozialen Netzwerken. Qualitätsmedien würden kaum konsumiert, sagt etwa Wolfgang Pospischil, der für den Verein "Safer Internet" an Gymnasien Trainings macht. Quellenkritik sei für viele völlig neu, die Schüler müssten lernen, sich die richtigen Fragen zu stellen: Wer steckt dahinter, kann das eine politische Meinung sein oder eine Meinung, die eine Firma vertritt? Werden Fakten behandelt, die ich auch woanders finde? Kein Zusatzgeld für Medienbildung Engagierte Projekte laufen an vielen Schulen. Um diese zu fördern, gibt es einige Initiativen des Bildungsministeriums, etwa "Mediamanual" - das Projekt bietet eine Internetseite mit Informationen für Lehrer und Lehrerinnen und organisiert einen Schülerprojekte-Wettbewerb. Um die Mittel dafür kämpfen die Organisatorinnen jedes Jahr. Das Schulentwicklungsprojekt "e-Education" vernetzt Schulen, die digital schon sehr fit sind, mit Schulen, die hier noch aufholen müssen. Das Budget von rund einer halben Million Euro wäre beinahe gekürzt worden, obwohl damit auch Lehrer auf die digitale Grundbildung vorbereitet werden sollen. Wie kompetent sind die Lehrer? Das Medienthema hat in der Ausbildung der Lehrer keinen Platz. "Das ist eindeutig ein Manko", sagt Klaus Himpsl-Gutermann von der Pädagogischen Hochschule Wien. Die Hoffnung liegt auf den nachrückenden Junglehrern, das Interesse an der Weiterbildung gerade in Mediendingen ist groß. Die entsprechenden Kurse sind ausgebucht, allerdings ist die Fortbildung für Lehrer in diesem Bereich nicht verpflichtend. Bildungsminister Heinz Faßmann meint im #doublecheck-Interview, die Lehrer würden gut auf die digitalen Herausforderungen vorbereitet. Wie gut der Lehrplan für digitale Grundbildung ab Herbst an den Schulen umgesetzt werden kann, bleibt fraglich. 24:55
07.09 Die Medien und der Quotendruck Wie genau sind die Methoden, die die Reichweite von Medien messen? Was genau wird da gemessen? Eine heikle Wissenschaft, denn die Zahlen, die erhoben werden, zeigen was beim Publikum ankommt und was nicht. Auch für die Werbewirtschaft sind sie Gold. Und das wollen Medien liefern, es geht ja auch ums wirtschaftliche Überleben. Jeder will der Beste sein doublecheck liefert einen Überblick über Mediaanalyse, Webanalyse, Radiotest und Teletest. Die Methoden der Reichweitenforschung sind unterschiedlich und auch unterschiedlich genau. Außerdem bringen Onlinezahlen alte Messmethoden durcheinander, finden manche, aber eine modernere crossmediale Messung ist dann doch noch nicht gewollt. Jeder will sich ins beste Licht rücken und da kann Ungenauigkeit auch seine Vorteile haben. Jeder Click zählt Aber die Lust auf Genauigkeit ist anlassbezogen. Denn Online gibt es eine harte Währung, die die Zeitungen sehr wohl ganz genau interessiert: Die Clicks. Und die lassen sich ja ziemlich genau messen. In den Redaktionen entsteht ein Quotendruck. Außerdem zeigt sich: Im Netz holt der Boulevard deutlich auf. Wir fragen nach, was sich messen lässt, und was das aussagt. Es ist Bundesliga und keiner schaut zu In einem aktuellen Fall scheint die Reichweite egal zu sein, bei der Übertragung der Spiele der Fußball-Bundesliga, die bis zur letzten Saison noch im ORF zu sehen waren. Die Rechte dafür wurden um viel Geld an den Bezahlsender Sky verkauft, die Zuseherzahlen sind jetzt in den Keller gerasselt. Die Bundesliga nimmt es gelassen, warum? 25:08
05.10 Die Medienfreiheit unter Druck Das FPÖ-geführte Innenministerium hat in einem Schreiben an Dienststellen der Polizei zwischen kritischen Medien und solchen, die "Zuckerln" verdienen, unterschieden. Der Aufschrei gegen diese offensichtliche Geringschätzung der Medienfreiheit war laut, er ist auch in den europäischen Partnerländern gehört und kritisch kommentiert worden. Seriöse Zeitungen wie das deutsche Handelsblatt stellen jetzt endgültig den Vergleich mit der autoritären Grundhaltung des Orbán-Regimes in Ungarn her, Bundespräsident und Bundeskanzler haben alarmiert reagiert. Zensurversuch oder Dummheit? Waren die Anweisungen aus dem Innenressort, kritische Medien nicht über die Maßen gut mit Informationen zu versorgen, also ein Angriff auf die Pressefreiheit? Oder war alles nur ein großes Missverständnis wegen einer dummen Formulierung des Ressortsprechers? #doublecheck hat mit führenden österreichischen Journalistinnen und Journalisten gesprochen, welche neue Qualität diese Informationspolitik des Innenministeriums - die ja bis zur amtlichen Veröffentlichung von Mails und SMS eines Journalisten ohne dessen Einverständnis reicht - in ihren Augen hat. Wenn die Message Control wirkt Der Druck auf die Medien und die Diskussion darüber - das hinterlässt Spuren, sagen Kommunikationsexperten. Da wird der Chefredakteurs-Wechsel beim "Kurier" schnell einmal mit der schwarz-blauen Message Control in Verbindung gebracht. Und man wundert sich nicht, wenn Zeitungen nicht widerstehen können und wollen - und Personality-Geschichten über einen Minister ins Blatt rücken. Oder über Hintergrund-Beiträge im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die die Anmutung von Informationssendungen haben, aber Belangsendungen für die Regierung und ausgewählte Regierungsmitglieder sind. Der Traum vom Euro-Youtube Zum politischen Druck auf die Medien kommt der Druck von den großen Plattformen wie Facebook und Youtube, der eher zu- als abnimmt. Die Zeitungen suchen dagegen immer mehr die Allianz mit dem Leser, zum Beispiel der "Standard" jetzt im Oktober mit der großen Aktion "Österreich spricht". Und die öffentlich-rechtlichen Sender träumen von einer europäischen Alternative, einem Facebook oder Youtube mit hehrem Algorithmus. Allein, vielen fehlt der Glaube daran. 24:55

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