Funkamateur - 1933-1938
Sein Interesse an allem, was mit Funktechnik zu tun hat, führt Emanuel Strunz zunächst zum ersten Kontakt mit der RAVAG. (Dort erfolgt auch die erste Begegnung mit Generaldirektor Oskar Czeija; über ihr zweites Zusammentreffen wird später noch zu berichten sein.) Die RAVAG baut in ihren Reportageswagen einen Kurzwellensender im 40-m-Band ein, holt auf diese Weise das Mikrofon aus dem Studio, und überträgt die Live-Berichte via Funkhaus Johannesgasse zum Sender auf dem Rosenhügel. Die QSL-Karten mit der Bestätigung der Empfangsbeobachtungen auf den – nicht veröffentlichten – Frequenzen sind ein rares Zeugnis der Frühzeit des Rundfunks in Österreich, beweisen aber auch den Spürsinn des illegalen Mithörers.
Der berufliche Werdegang 1931-1945
Wie schwer es ein junger Techniker angesichts der schwierigen Wirtschaftslage hat, beweist die Vielzahl der Firmen, in denen Emanuel Strunz beschäftigt wird, wiederholt unterbrochen durch Pausen der Arbeitslosigkeit.
1945-1954: Eine Großtat für den Rundfunk
April 1945. Das Funkhaus der RAVAG in der Argentinierstraße ist schwer von den Kämpfen der letzten Kriegswochen gezeichnet, ein ganzer Trakt ist Bombentreffern zum Opfer gefallen. Den Großsender auf dem Bisamberg haben die abziehenden SS-Verbände gesprengt. Ing. Emanuel Strunz findet das Tor zum Funkhaus offen, bahnt sich durch Trümmer den Weg ins Innere, stößt auf einen Mann, der, eine Schreibmaschine unter den Arm geklemmt, einen Platz zum Arbeiten sucht. Den Mann kennt er: das ist Oskar Czeija, der Gründer der RAVAG, bis 1938 ihr Generaldirektor; nun ist er der Erste, der zurückgekehrt ist. Allerdings: In eine Rundfunkstation ohne Sender, ohne Antenne, ohne Stromversorgung. Da hat Emanuel Strunz eine Idee…
1947: Die Gründung der Firma "Frequentis" - Vom Kleinbetrieb zum Global Player
1947 fasst Ing. Emanuel Strunz den Mut, gemeinam mit einem Freund und Kollegen eine eigene Firma zu gründen. Die Nachkriegszeit ist hart, aber der Bedarf unermesslich. Der Standort ist rasch gefunden, in der Thaliastraße, in Ottakring, dem 16. Wiener Gemeindebezirk Zunächst gilt es, unerwartete Hürden zu meistern, da ist die Bürokratie unbarmherzig. Aber sobald der Meisterbrief nachgeholt ist und der Gewerbeschein ausgestellt, kann die "Frequentis Gesellschaft für industrielle Hochfrequenztechnik mbh" den Betrieb aufnehmen.
Funkamateur ab 1945 - Die späten Jahre
Schon am 15. August 1945 findet in der Wohnung von Carl Martin, OE1CM, ein erstes Treffen statt, mit den Teilnehmern: Erwin Heitler, OE1ER; Willy Blaschek, OE3WB; Ing. Emanuel Strunz, OE1ES; Franz Polacek, OE1FP; und Josef Safka, OE1SJ. Carl Martin ist während des Kriegs als Geschäftsmann via Spanien mit den Amerikanern in Verbindung geblieben. Er soll die Initiative ergreifen, stirbt aber kurz darauf an einem Herzinfarkt. Die verbleibende Gruppe, ab Oktober 1945 verstärkt durch Karl Waniek, OE1KW, interveniert hartnäckig im Innenministerium bei der Vereinsbehörde. Willy Blaschek ist der zäheste Verhandler; er knüpft auch wertvolle Kontakte zur sowjetischen Besatzungsmacht. Dennoch soll es bis 1953 dauern, ehe Amateurfunk in Österreich wieder legal zugelassen wird.
30. November 2011: Der Abschied
Freunde undf Weggefährten sind gekommen, um Abschied zu nehmen. Dipl.-Ing. Hannes Bardach, der Vorstandsvorsitzende der Frequentis AG, würdigt in seinem Nachruf das Leben und Werk von Ing. Emanuel Strunz. Pfarrer Leopold Streit nimmt die Einsegnung vor. Der Kondukt bewegt sich zur Grabstätte auf dem Oberen Stadtfriedhof in Klosterneuburg.
Quellennachweis: Dokumentationsarchiv Funk, QSL-Collection, ÖStA/Archiv der Republik, ORF, Frequentis AG, Privatarchiv Grumbir, Privatarchiv Strunz, Wikipedia
Franz Anderle - Der Wegbereiter
Der Gründungsvater des ÖVSV
Franz Anderle wurde am 8. März 1874 in Graz geboren, besuchte dort die Volksschule, anschließend in Wien die Realschule und trat aus der 6. Klasse in die Pionierkadettenschule in Hainburg über, weil er eine militärische Laufbahn anstrebte. Am 18. August 1896 wurde er als „Cadet-Offizier-Stellvertreter“ seiner ersten Dienststelle beim k.u.k. Heer zugeteilt, dem Eisenbahn- und Telegraphenregiment in Korneuburg. Schon ein Jahr später wurde er zum Leutnant ernannt. Anderle begeisterte sich rasch für das Kommunikationswesen und war ab 1898 (also mit 25 Jahren) Lehrer beim Telegraphenkurs in Korneuburg. Hier eignete er sich die Grundlagen seines profunden theoretischen und praktischen Wissens an. Die militärische Laufbahn markieren am 1. November 1901 die Ernennung zum Oberleutnant, am 1. August 1911 zum Hauptmann, am 1. August 1917 zum Major, am 1. Jänner 1920 zum Oberstleutnant, am 10. Juli 1923 zum Oberst und, zum Abschied aus dem aktiven Dienst, der Titel eines General-Majors am 18. Februar 1931.[1]
1924-1929: Die Anfangstage des ÖVSV
In den Kindertagen des neuen Mediums Unterhaltungsrundspruch setzten sich einige besonders engagierte Radioamateure ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollten nicht nur Empfänger für den „Unterhaltungsrundspruch“ bauen, sondern auch Sender, und sie wollten in den langen Pausen zwischen dem Angebot der RAVAG selbst gestaltete Programme ausstrahlen. Als Franz Anderle sich entschloss, seinen persönlichen und publizistischen Einfluss für dieses Projekt einzubringen, tat er dies nicht uneigennützig. Natürlich war er als Enthusiast der ersten Stunde jedem funktechnischen Experiment zugetan, unbeschadet dessen kalkulierte er aber auch ein, dass er damit an Ansehen gewinnen und nebenbei die Funktionäre und Mitglieder der Radioklubs enger an seine „Radiowelt“ binden würde – Punktegewinne gegenüber der Konkurrenzzeitschriften „Österreichischer Radio Amateur“ und „Radiowoche“ und deren Klientel.
Anton Habsburg-Lothringen – OE1AH, OE3AH, OE5AH, YR5AH
Prominentester Funkamateur Österreichs war Anton Habsburg, Zeit seines Lebens auch von den Funkkollegen "Kai-Ho" tituliert, einer Kurzform von "Kaiserlicher Hoheit". Schon seit seiner Jugend hatte er sich für den Funk interessiert - so schrieb der Gymnasiast etwa während des ersten Weltkriegs "feindliche" Telegrafie-Depeschen mit. Später wollte der passionierter Flieger auch Flugfunk betreiben, was an behördlichen Problemen scheiterte. So kam er auf Umwegen Anfang der Dreißigerjahre zum Amateurfunk und wurde prompt zum Präsidenten des ÖVSV bestellt und als erster (und einziger) OE-Sendemeister ausgezeichnet: Im restaurativen Ständestaat war eine monarchische Repräsentationsfigur höchst gefragt. Nach seiner Rückkehr nach Österreich und bis zu seinem Tod blieb Anton Habsburg dem Funkhobby an der Morsetaste treu, bekleidete aber keine Vereinsfunktion mehr.
1933/34: Die Ringsendungen des ÖVSV
Ein gescheiteter Versuch
Acht Jahre nach der Gründung konnte der ÖVSV endlich die sporadisch erscheinenden Rundschreiben ergänzen durch die monatlich erscheinenden „Mitteilungen für österreichische Kurzwellen-Amateure“, kurz OEM. Und schon in der ersten Ausgabe, vom November 1933, rief der nun auch als Redakteur tätige Klubsekretär Willy Blaschek, damals noch UO3WB, die Mitglieder zu einer gemeinsamen Aktion zur Ergänzung der damals üblichen Monatsberichte auf: „Zwecks engeren Zusammenschlusses der österreichischen Sende- und Empfangs-Amateure und um eine gewisse Betriebssicherheit zwischen den einzelnen Stationen in den verschiedenen Bundesländern zu erforschen, wird der letzte Samstag eines jeden Monats und zwar von Mitternacht bis Mitternacht MEZ für den ausschließlichen österreichischen Verkehr ausersehen. Der Zirkular-Aufruf erfolgt jeweils durch zk v uo etc. Die Verbindungen sind … im 40 m Band herzustellen und bei jeder Verbindung ist eine Versuchs-Depesche, die mindestens 10 Worte Klar-Text enthalten muss, abzusetzen, bezw. zu empfangen. Die so erhaltene Versuchs-Depesche ist bei der nächsten Verbindung weiter zu geben. Jedoch darf bei einem QSO nur eine eigene und zwei fremde Versuchs-Depeschen abgesetzt werden. Oms die in ein und demselben Orte sind, dürfen keine Versuchs-Depeschen direkt austauschen.“[1]
1934/35: Der Betriebssendedienst des ÖVSV
1934 wurden, wie erläutert, im ÖVSV mit mäßigem Erfolg die „Ringsendungen“ eingeführt. [1] Wenig später folgte der BSD, der besser angenommen wurde, wohl, weil er die Funkamateure nur für einen kürzeren Zeitraum an die Station band. Vorbild für den BSD war zweifellos die gleichnamige Einrichtung im DASD, dem der ÖVSV ja vorübergehend als „Landesgruppe 14“ korporativ angehört hatte, bis sich anlässlich der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten und die Auflösung und Neugründung des DASD 1933/34 die Trennung von selbst ergab. Für die Ringsendungen waren seit November 1933 jeweils 24 Stunden Betrieb am letzten Samstag des Monats vorgesehen. Der Betriebsdienst wurde am 18. Mai 1934 eingeführt [2] und fand im (mittlerweile für die Leitstationen eigens dafür frei gegebenen) 80m-Band jeweils am Freitag statt. Vorgesehen waren zunächst abwechselnd die Zeiten 06:00-08:00 bzw. 00:01-02:00 MEZ. [3] Als aber die RAVAG ihre Sendezeiten bis 01:00 ausdehnte, blieb einheitlich der Frühtermin 06:00-08:00. [4] Leitstationen waren Willy Blaschek, OE3WB, der Sekretär des ÖVSV und bei Nacht Carl Martin, OE1CM, der Vorsitzende.
Amateurfunk in Österreich 1945-1955
Im Mai 1945 wurde Österreich von amerikanischen, sowjetischen, englischen und französischen Truppen besetzt und im Juli 1945 in vier Besatzungszonen geteilt.
Österreichischen Funkamateuren und den Funkamateuren der russischen Besatzungsmacht war die Sendetätigkeit verboten. Lizenzierte amerikanische, britische und französische Militär- und Zivilpersonen erhielten von der jeweiligen Besatzungsmacht eine Sendegenehmigung.
Amateurfunk in der britischen Zone
Die britische Zone umfasste die Bundesländer Kärnten und Steiermark. Britische Funkamateure verwendeten zunächst das Rufzeichen OE9, wechselten dann aber zu MB9 (Military British)
Britische Funkamateure erinnern sich
Klagenfurt
"War 1946 Bahnknotenpunkt und Durchgangslager für die Rückreise der Truppen im mediterranen Operationsgebiet, da damals die Bahnlinie durch Deutschland nach Calais erst wiederrerichtet wurde. Die Fahrt dauerte zwei Tage, oft in fensterlosen Waggons und mit Aufenthalten etwa alle acht Stunden, wenn zwischendurch eine Kantine auf dem Bahnsteig die Reisenden versorgte. ...
Amateurfunk in der französischen Zone
Die französische Zone umfasste die Bundesländer Tirol (inklusive Osttirol) und Vorarlberg. Französische Funkamateure verwendeten das ungewöhnliche Rufzeichen FSK8.
Amateurfunk in der amerikanischen Zone
Die US-Zone umfasste die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich sowie den Bereich Niederösterreich südlich der Donau. Amerikanische Funkamateure verwendeten das Rufzeichen OE13.
Amerikanische Funkamateure erinnern sich
Steve Takacs: "Das bin ich beim Feldeinsatz, und die anderen Bilder zeigen mich als OE13BR und an der Klubstation OE13USA. Der 3-Element-Beam war Eigenbau aus Holz und Aluminium. ..."
Die österreichischen Funkamateure
Zum Schweigen und Hören verurteilt, während die Funkkollegen der westlichen Besatzungsmächte anscheinend uneingeschränkt senden durften - das war ein hartes Los für die Mitglieder des gleich nach Kriegsende neu organisierten Österreichischen Versuchssenderverbandes, ÖVSV. Kein Wunder, dass man bald auf illegale Tätigkeit verfiel.
