Romeo Stepanenko, 3W3RR


April/Mai 1990: 1S0XV/1S1RR, Spratly

April/Mai 1990: 1S0XV/1S1RR, SpratlyzoomAm 17. März brachte mir XV2AA um zwei Uhr früh ein Telex: Die Innen-, Außen-, Kommunikations- und Verteidigungsminister hatten die Angelegenheit besprochen und ihre prinzipielle Zustimmung erteilt. Unglaublich! In so kurzer Zeit! Gut, dass uns die Amateurfunk-Gruppe INDEXA einen Großteil der Probleme abnahm! Eine Besprechung mit dem Generaldirektor von Kiulong und dem Kommunikationsminister folgte; Yuri nahm daran teil. In der Folge verfügten wir innerhalb weniger Tage über ein Schiff und alle Genehmigungen. In höchster Eile kauften wir ein: Verpflegung, Generatoren, Treibstoff und Material. Zwei Wochen vor der geplanten Abreise brachte Alex UL7PCZ aus Moskau die Ausrüstung von INDEXA und seine Selbstbau RTTY-Anlage.
Wir waren die allerersten Ausländer im vietnamesischen Teil der Spratlys. Auf den größeren Inseln liefern sich die Vietnamesen von Zeit zu Zeit Schussduelle mit den Chinesen. Unser Standort war zum Glück unbesidelt! Wir brachen aus der Cam Ranh Bucht auf, gut gerüstet für die gefährliche Überfahrt. Wir brauchten zwei Tage, hatten bestes Wetter, und die Vietnamesen konnten unser Glück kaum fassen. Die Landung war rauer als das Wetter: Wir mussten die Ausrüstung Stück für Stück bei Ebbe an Land tragen. In den ersten Tagen wehte heftiger Wind, aber in der Folge herrschte absolute Windstille...
Da waren wir also, mitten im Nirgendwo: Romeo Stepanenko, 3W3RR; Yuri Loparev, RL8PY; Alex Lebedev, UL7PCZ; Anatoly Lazarev, RL8PZ. Die anderen, Yuri Brazhenko, Yuri Meshalkinr, Victor Levashev, Trieu, XV2AB, Hoa, XV2AAC, und Da XV2AAD saßen nicht an den Geräten, waren aber als Helfer unentbehrlich.
Wir hatten in den ersten paar Tagen wirklich Glück mit besten Ausbreitungsbedingungen auf KW, aber dann, als hätte jemand die Gardinen zugezogen, kamen nur noch sporadisch Signale durch. Deshalb haben wir nur anfangs in Fonie gearbeitet und hatten am Schluss 40% aller QSOs in CW gefahren. Ab sechs Uhr früh Lokalzeit gingen für 5-6 Stunden sämtliche Bänder zu. Außer VK/ZL auf 28MHz war nichts zu hören. Am fünften oder sechsten Tag überhitzten die Generatoren und wir mussten sie in aller Eile reparieren. Sie gaben uns bis zuletzt zu schaffen; einmal mussten wir sogar total pausieren. Und dann ging uns der Treibstoff aus - erstens, weil wir aus Geldmangel zu knapp kalkuliert hatten, und zweitens, weil irrtümlich ein volles Faß auf dem Schiff geblieben war. Volle acht Tage Betrieb fielen aus, weil wir auf die Rückkehr des Schiffes warten mussten, das endlich Treibstoff und neue Generatoren brachte. Wir funkten dann noch weitere sechs Tage. Als alles wieder an Bord gebracht war und nur noch eine Station betriebsklar war, machte ich unter meinem eigenen Rufzeichen 1S1RR in sechs Stunden 1027 Verbindungen. Als wir nach einem langen, intensiv zugebrachten Monat aufbrachen, waren wir physisch und emotional erschöpft. Es regnete! Zum ersten Mal regnete es!
Die folgenden zwei Wochen steckten wir in Vietnam fest und konnten kein Ticket nach Moskau kaufen. Ohne Geld hausten wir zu fünft in der Klubstation 3W8AA und hungerten. Nur weil uns der Direktor der PTT ein bisschen Geld spendete, hielten wir durch."
Und Ed(ward) Kritsky, NT2X, der DX-Koordinator für INDEXA (und Romeos treuester Freund und Vertrauter in den kommenden Jahren) ergänzt: "Sie haben über 40.000 QSOs geschafft. Der Trip kostete die Sowjets 36.000$, jeder Operator legte an die tausend Rubel dazu - ein knapper Jahreslohn -, um mitfahren zu können."



Download [3.2 MB]Expedition Report, DX Magazine, 01/1991 [PDF , 3.2 MB]
Download [2.1 MB]Expedition Report, in Russisch [PDF , 2.1 MB]

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