Wir schrieben dem Präsidenten am 8. Juni 1981 und erhielten zu unserer Überraschung am 26. Juni die Aufforderung, Oberst G. Danache zu kontaktiere, der für die Flugwaffe - Corps d’Aviation des Forces Armées d’Haïti - und somit für unsere Reise zuständig sei. Am 8. Juni hatten wir auch von der Fernmeldebehörde CONATEL den Antrag auf eine Sendeerlaubnis gestellt und erhielten für den Zeitraum 18.-30. Juli das Rufzeichen HH0N zugeteilt.
Am 19. Juli startete um sieben Uhr früh am Militärflughafen eine DC3 mit viel Diesel für die Helikopter und unsere Generatoren nach Aux Irois, bei Jérémie. Eine Stunde später startete unser Team - 5 Funkamateure aus Haiti und ein Techniker - mit dem Helikopter des Präsidenten, La République d’Haïti und zwei weiteren Hubschraubern ebenfalls nach Aux Irois. Diese sollten uns, die Ausrüstung, die Verpflegung, Wasser und die Generatoren nach Navassa bringen. Rasch wurde das "Cargo" von der DC3 umgeladen, alle drei Hubschrauber wurden aufgetankt, und wir flogen los. Navassa liegt etwa 50 km vor Aux Irois, und zur nächsten Küste der USA sind es mehr als 200 Meilen. Als sich La République d’Haïti der Insel näherte, entdeckten wir vor uns ein Schiff der US-Marine, und ein Helikopter kam uns auf gleicher Flughöhe entgegen. Das konnte man als Provokation bezeichnen. Unser Pilot funkte den US-Chopper auf mehrenen Frequenzen an, erhielt aber keine Antwort. Der Pilot entschloss sich dennoch zur Landung und suchte einen geeigneten Landeplatz. Beim Anflug sahen wir drei große Zelte und drei jeweils 30m hohe Funkmasten. Das war ein Marine-Camp, das - wie wir später erfuhren, 119 Marines Besatzung hatte. Schließlich landeten wir in der Mitte der Insel, und das erste, was wir taten, war die nationale Flagge zu hissen und unsere Nationalhymne anzustimmen.
Währenddessen umkreisten und ständig zwei US-Helikopter. Einer landete gleich nach unserer Zeremonie - und zwar nicht nur unmittelbar ganz knapp vor uns, sondern richtete auch die unter dem Rumpf angebrachten MGs direkt auf uns. Wir zogen uns hinter duie drei Offiziere zurück, die uns begleitet hatten. Drei schwer bewaffntete Marines sprangen aus dem Chopper, und sicherten ihn. Dann stieg ein Leutnant in Begleitung eines Marines aus, der ebenfalls schwer bewaffnet war. Die "Besucher" traten auf uns zu, und ohne unseren Offiziern zu salutieren richtete er das Wort direkt an unseren Bordmechaniker. Unser Major unterbrach den kurzen technischen Wortwechsel und stellte sich mit Rang und Namen vor. Ups! Die Reaktion war ganz so, wie wir erwartet hatten: Der US-Leutnant nahm sofort Haltung an, salutierte und stellte sich ebenfalls vor. Nach einer Pause, die endlos schien, bat der Leuitnant um Genehmigung, mit uns Zivilisten sprechen zu dürfen, was der Major selbstverständlich gewährte. Der Leutnant verlangte unsere Landeerlaubnis zu sehen - und damit war die unvermeidliche politischeFrage gestellt. Wie ein Mann sagten wir sechs: Wir brauchen keine Genehmigung dafür, uns in unserem eigenen Land zu bewegen! Schlagartig war die Lage entspannt. Sie dürfen sich natürlich frei auf der Insel bewegen, sagte der amerikanische Leutnant, und wir würden uns freuen, Sie in unserem Camp zu begrüßen. Alle unsere Einrichtungen stehen Ihnen zur Verfügung. Er und seine Leute salutierten und flogen ab. Ein paarStunden später flog auch La République d’Haïti in unsere Hauptstadt zurück.
Noch am selben Abend begannen wir als HH0N zu senden, und man kann sich ausmalen, welche pile-ups wir verursachten. Einige Stationen behaupteten sogar, wir würden gar nicht von der Insel senden. Um jeden Verdacht zu zerstreuen, nannten wir den Namen des Schiffs der US-Navy, das in unserer Nähe ankerte - eine Information, die sich verifizieren ließ. Die Pileups wurden immer heftiger. Wir arbeiteten permanent mit drei Stationen und hatten während unseres Aufenthalts über 7.000 Kontakte. Die Bedingungen waren gut auf 10/15/20, aber schwierig auf 40/80. Wir hatten einen Kenwood 520 und zwei Yeasu, zwei Dreiband-Yagis und mehrere Dipole. Die Generatoren versorgten und mit zweimal 5 kW einmal mit 1 kW. Wer sich an das Arabian Nights Net erinnert, weiß, dass dort unser Kamerad HH2BM Mitglied war. Das Netz startete üblicherweise an Donnerstagen um 20:00 (02:00Z) auf 14.225 - und an jenem Abend war HH0N Gast im Netz und arbeitete alle Nights. Es war ein tolles Erlebnis. Noch heute höre ich unsere Generatoren summen... Zedan, JY3ZH, der Bruder von König Hussein, JY1, checkte jeden Tag mitjeder HH0N-Station ein, um uns seine Unterstützung zu demonstrieren. Sein Signal war sagenhaft. Jeder von uns kannte dieses oder jenes Netz, und wir stiegen unangemeldet in jedes zumindest einmal ein. Man kann sich das Gedränge der anrufenden Stationen vorstellen. Einmal am anderen Ende der Verbindung zu stehen, war ein für uns neues und aufregendes Erlebnis. Zweimal hatten wir während unserem Aufenthalt Kontakte mit dem US-Militär, und der Ton war höflich. Beim ersten Mal warHH2BM mkt seinem Gewehr nach Jagdbeute aus und stieß auf einen Marine, der sich offenbar verlaufen hatte. Er lied ihn zum Essen in unser Camp ein. Der arme Kerl war wohl seit Wochen auf MRE (Feldrationen) gesetzt. Er genoss sichtlich unsere französisch/kreolische Küche. Beim zweiten Mal hatten sich drei unserer Kameraden am Nachmittag nach dem Schwimmen verlaufen und fanden bei Einbruch der Dunkelheit nicht ins Lager zurück. Müde, hungrig und mit wunden Füßen landeten sie im US-Camp, wo man ihnen zu essen gab und sie medizinisch versorgte. Am nächsten Tag begleitete ein Marine sie zu unserm Lager.
Am 26. Juli, sieben Tage nach unserer Ankunft und mit unserem raren DX im Log vieler Stationen kehrten wir wie geplant und au fdie selbe Weise nach Port-au-Prince zurück - in der Absicht, diese Unternehmung zu wiederholen.
Das HH0N-Team: HH2BM Jan-Bernard Montes, HH2JR Jean-Robert Gaillard, HH2CR Réginald Chauvet, HH2PW S.G. Daniel, HH2B Bernard Russo, Francis Mitchel


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